Achtung! Dieser Blindtext wird gerade durch 130 Millionen Rezeptoren Ihrer Netzhaut
erfaßt. Die Zellen werden dadurch in einen Erregungszustand versetzt, der sich über
den Sehnerv in dem hinteren Teil Ihres Gehirns ausbreitet. Von dort aus überträgt
sich die Erregung in Sekundenbruchteilen auch in andere Bereiche Ihres Großhirns.
Ihr Stirnlappen wird stimuliert. Von dort aus gehen jetzt Willensimpulse aus,
die Ihr zentrales Nervensystem in konkrete Handlungen umsetzt. Kopf und Augen
reagieren bereits. Sie folgen dem Text, nehmen die darin enthaltenen Informationen
auf wie ein Schwamm. Nicht auszudenken, was mit Ihnen hätte passieren können,
wenn dieser Blindtext durch einen echten Text ersetzt worden wäre.
Schön, daß Sie neugierig reinschauen,
obwohl hier ja eigentlich noch gar kein richtiger Text steht, sondern nur
der sogenannte Blindtext. Der aber soll Ihnen diesmal mehr Spaß machen als das "Eiriseididum" oder
das "Kisuaheli omryx nomryx" oder dieses "Iam quanto minoris constat haec felicitas
accessio!" oder "In general, bodytypes are measured in the typographical point
size". Dieser Blindtext will Ihnen nämlich dreierlei sagen: Erstens will er den
Texter entschuldigen – tut uns leid, aber es war einfach unmöglich, das Ding
gestern nacht noch exakt auf Länge runterzuschreiben. Das Briefing, Sie wissen
schon. Schwieriges Thema. Und die Freundin ist krank, und der Freund wollte unbedingt
in diesen neuen Film. Also sorry. Ja, und zweitens haben wir Sie bis hierhin
zum Lesen gebracht und wollen damit belegen, daß nicht alle Marktforscher und
Kaffeesatzleser recht haben, die sagen, daß unser armer Freund Otto Normalverbraucher
und seine häßliche Schwester Lieschen Müller maximal Null Komma gar kein Interesse
haben für Texte. Drittens sollten wir für ein paar Zeilen abschweifen und uns
dem Gegenstand unserer Bemühungen zuwenden. Was heißt überhaupt Blindtext? Macht
er blind, und wenn ja, wen? Die Grafiker und Typografen, die solange blind in
die Tasten hauen, bis ein Schreiber die Zeilen mit Sinn füllt? Ich denke, das
Wörtchen will uns ja auch nur warnend darauf hinweisen, daß viel zu oft nach
dem Motto "Augen zu und durch" verfahren wird bei der verantwortungsvollen Aufgabe,
Grauwert zu verteilen. Ja sapperlot, sagen Sie jetzt vielleicht (wenn der Layouter
den Text bis hierhin aus formalen Gründen noch nicht abgeschnitten hat), man
soll doch in einem Layout nur sehen können, wie das Schriftbild überhaupt aussieht:
Welche Schrift haben wir denn, in welcher Größe, wie sind die Buchstabenabstände
und so weiter (Form follows function?). Trotzdem: Vielleicht ist ja die aktuelle,
zeitgeistige und allgemeine Mißachtung interessanter, unterhaltsamer und ausschweifender
Betrachtungen genau darin zu suchen, daß sie präsentiert wird erst mal in Form
von Blindtext, also Blödsinnstext. (Siehe oben.) Und wie sollen Sie, der geneigte
Kunde, denn ahnen, wie spannend das später sein könnte. Stellen Sie sich mal
vor, hier würde nix stehen. Nichts über Ihr Produkt, nichts über Ihre Leistungen,
nichts über Ihren Service, nichts über Ihre tollen Leute. Nichts über Ihr Angebot,
nichts über Ihren Stolz, nichts über Ihr Engagement, nichts über Ihren Optimismus.
Wäre doch schade, oder? Für den Fall, daß Sie jetzt der Meinung sind, es gäbe über
Ihre Sache ja gar nicht so viel zu sagen, gibt es diese alte Werberegel als Trost
und Ansporn: Wenn Sie wirklich nichts zu sagen haben, dann sagen Sie das wenigstens
lustig. So, genug jetzt: Die durchschnittliche klassische Käfer-Anzeige hatte
632 Anschläge, und wir sind schon weit drüber. Warten Sie mal ab, wie schön der
Text ist, der später hier gedruckt wird. Viel Spaß beim Lesen!